Die Debatte um die Prostitution in Deutschland hat in den vergangenen Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete Deutschland als „Puff Europas“, Gesundheitsministerin Nina Warken sprach sich öffentlich für ein Sexkaufverbot aus. Bereits im Koalitionsvertrag wurde festgestellt, dass Deutschland zu einer Drehscheibe für Menschenhandel geworden ist.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die bestehende Prostitutionsgesetzgebung den Schutz von Frauen vor Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel tatsächlich gewährleisten kann.
Grundlage der aktuellen politischen Diskussion ist die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG), die vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) durchgeführt und im Jahr 2025 vorgelegt wurde. Die Studie wurde von den Autorinnen und Autoren selbst als „nicht repräsentativ“ bezeichnet. Kritiker bemängeln insbesondere, dass große Teile der in Deutschland tätigen Prostituierten nicht erreicht wurden und stattdessen vor allem Akteure der Prostitutionsindustrie zu Wort kamen.
Trotz dieser erheblichen methodischen Einschränkungen dient die Evaluation als Grundlage für die Arbeit einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission. Diese soll Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Prostitutionsrechts erarbeiten.
Aus Sicht von DIAKA stellt sich jedoch die grundsätzliche Frage, ob Deutschland weiterhin an einem System festhalten will, das seit Jahren mit Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht wird, oder ob ein Paradigmenwechsel erforderlich ist. Zahlreiche europäische Staaten haben sich bereits für das sogenannte Nordische Modell entschieden, bei dem die Nachfrage nach Prostitution durch die Sanktionierung des Sexkaufs reduziert werden soll.
Zur Vertiefung der Debatte stellen wir nachfolgend drei Dokumente zur Verfügung:
1. Faktencheck zur Diskussion zum Nordischen Modell
Ein Überblick über die wichtigsten Argumente, Begriffe und häufigen Missverständnisse in der Diskussion um ein Sexkaufverbot nach dem Vorbild des Nordischen Modells.
2. Stellungnahme von DIAKA zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes
Eine kritische Analyse der Methodik, Aussagekraft und politischen Schlussfolgerungen der KFN-Evaluation.
3. Exzerpt aus „Sexkauf – Eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution“
Zusammengestellt aus dem Werk von Elke Mack und Ulrich Rommelfanger (Nomos Verlag). Enthalten sind insbesondere Einschätzungen von Expertinnen und Experten aus Justiz, Polizei und Praxis zur
Situation prostituierter Frauen sowie zu den Grenzen der derzeitigen Gesetzgebung.
Wir freuen uns über eine sachliche und faktenbasierte Auseinandersetzung mit den vorliegenden Materialien.
